Haben Sie das gewußt?

Am Karlstern gab es einen Zoo!

Tierpark am Karlstern – Kurzbeschreibung 1912-1956

Zu den vielbesuchten Sehenswürdigkeiten der neuen Zeit gehört der Tierpark im Käfertaler Wald.

Der Gedanke, den halbvergessenen Karlstern wieder zu Leben zu erwecken stammt von dem Gastwirt Philipp Sommer, der im Jahre 1912 eine Gaststätte am Karlstern erbaute und daneben im Jahre 1930 einen neuzeitlichen Tierpark einrichtete.

Daraus ist sechs Jahre später (1936) die „Bolichsche Tierschau“ hervorgegangen.

Sie umfasste exotische Tiere jeder Art, vom Affen bis zum König der Tiere, dem Löwen.

Der Gründer und der jetzige (Drucklegung 1952) Unterhalter der Anlage, haben den vielen Besuchern eine prächtige Schau und den Kindern einen Spielplatz und Lehrobjekt geschenkt.

Die Unternehmen erlitten in der Nacht vom 18./19. November 1943 durch einen schweren Luftangriff einen vernichtenden Schlag.

Das Gasthaus brannte vollständig nieder. Durch teilweise Auslagerung der wertvollsten Tiere entgingen diese der Gefahr der Vernichtung.

1945 kehrte Paul Bolich zurück und baute den Tierpark wieder neu auf.

1956 wurde der Tierpark dann krankheitsbedingt geschlossen.

 

Quellenangabe: Auszüge aus dem Heimatbuch der Gemeinden Mannheim-Käfertal und Mannheim-Waldhof 1952

Die Entstehungsgeschichte des Karlsterns

Der Karlstern und der Karlsternweiher sind bereits um die Jahrhundertwende 1300 n.Ch. entstanden.

Keverndal

Zu dieser Zeit war die Waldsiedlung „Keverndal“ von 7 Häusern oder Gehöften, in der dritten Generation mit etwa 40 Seelen bewohnt.Die Bewohner fristeten in dem Sumpfgebiet zwischen Neckarmündung und Altrhein ein kärgliches Dasein.

Die Geschicke des Dorfes leitete der Schultheiß „Sibito“, dem Amt und Würde in der Erbfolge von seinem Großvater Burchardo von Cheverndal übertragen war.Die spärlichen Viehherden in bunter Mischung mussten täglich mühsam durch unwegsames Gelände zu den Gewässern des Altrheins zur Tränke geführt werden.Sie waren außerdem ständig der Wildplage durch Wölfe und Bären ausgesetzt. Es gab keine befestigten Weiden oder gar Zäune und das Hüten des Viehs war eine sehr mühsame und gefährlicheAngelegenheit.

Der Flüchtling Philipp trifft ein

So war es dem Schultheißen Sibito sehr recht, dass ein Flüchtling namens Philipp um eine Beschäftigung als Schafhirte nachsuchte.

Es wurde nie so recht deutlich woher dieser Flüchtling kam, jedenfalls musste er schon eine Menge gesehen und erlebt haben. Vielleicht, so mutmaßte man, war er gar ein Fahnenflüchtiger aus den damals zahlreichen Scharmützeln. Philipp wusste viel zu erzählen und anfangs hörte ihm Sibito auch interessiert zu.Bald aber fand er, dass es einem hergelaufenen gemeinen Schafhirten gar nicht gut anstand sich seinen, Sibitos Kopf, zu zerbrechen.

Als dann Philipp eines Tages vorschlug, doch einen Tümpel zur Viehtränke auszuheben, der größer war, als die üblichen Pfützen, die sich gelegentlich mit Schneewasser und Regen füllten, lehnte Sibito diesen Gedanken sofort ab.

Katzbuckeln beim Fürsten mit der von Philipp geklauten Idee

Für sich dachte Sibito aber, dass die Idee gut sei, nur gestand er sie dem Hirten nicht zu.Wenig später biederte er sich, wie es so seine Art war, beim Kurfürsten an und gab die Idee des Tümpels als seine eigene aus.Das Katzbuckeln beherrschten die Dorfoberen von Keverndal über Jahrhunderte weg perfekt. Dieser Diplomatie verdankten die Keverndaler Bürger andererseits auch eine bevorzugte Behandlung bei der Verpflichtung zur Fonarbeit beim Straßen- und Wegebau.

Nach heutigem Sprachgebrauch würde man sagen „Käfertal war bestens vernetzt“

Sibito veränderte die Idee aber insoweit, dass er dem Kurfürsten empfahl, einen Tränke Tümpel mitten im Wald zu graben, um so das Wild das ansonsten auf der Suche nach Wasser auch gerne in die Felder von Keverndal einbrach, im Wald zu halten wo es so einfacher zu jagen war.

Die Wildschäden in den Feldern von Keverndal interessierten den Kurfürsten nun aber herzlich wenig, den Tümpel für das Wild im Wald dagegen schon sehr. Denn so konnte der dekadente Sport der Tier- und Mensch verachtenden Parforce Jagt noch leichter ausgeübt werden.

Karlsternweiher und das Karlsternwegenetzt entstehen

So befahl der Kurfürst dem Sibito, einen solchen Tümpel anzulegen, unter der Voraussetzung, dass ihn das alles nichts kosten dürfte.Es war wieder an den Keverndalern den gewünschten Tümpel in Fronarbeit während des Winters auszugraben, damit er sich bei der Schneeschmelze mit Wasser füllen konnte. Allen voran natürlich der gemeine Dorfhirte Phillipp, zu der Zeit noch ohne Familiennamen, der nach der Meinung vieler, im Winter ja eh nichts zu tun hatte.

Zusätzlich befahl der Jägerobrist den ihm unterstellten Holzknechten, ein System aus sternförmig auf den Tümpel zulaufenden Schneisen in den Wald zu schlagen und zu Wegen auszubauen, dass das Jagdgebiet um den Weiher herum auch bequem für die Hochadelsmischpoke zu erreichen war.

Im Rahmen der nächsten Herbstjagd wurde dem Wegemittelpunkt am Weiher dann zu Ehren des Kurfürsten der Name „Karlstern“ verliehen.

In den nächsten beiden Jahren verflüchtigte sich das Wasser der Schneeschmelze wegen des Sandbodens mit der Zeit noch. Bald entstand aber eine Lehm- und Schlammschicht, sodass der Teich das ganze Jahr über das Wasser hielt.

Weitere Seen entstehen.

Da sich der Karlsternweiher in jeder Hinsicht bewährt hatte, wurden in der nächsten Zeit dann noch mehrere Tümpel gegraben, auch näher am Keverndaler Weidegebiet, sodass die Ursprungsidee, der Tränke für das Weidevieh, dann doch noch Wirklichkeit wurde.

So sind 7 Seen entstanden, die aber alle, bis auf den Karlsternsee in den nächsten Jahrhunderten verändert  zugeschüttet und aufgefüllt wurden. Sie verschwanden beim Bau der Kanalisation im Jahre 1885 endgültig.

An die Existenz der 7 Seen erinnert heute noch die Namensgebung des Siebseewegs.

Der Karlsternsee wurde immer wieder verändert und zuletzt als Kiesgrube für den Autobahnbau zur heutigen Größe ausgebaut.

Der Förderverein „Freunde des Karlsterns“ kümmerte sich seit der Vereinsgründung um die Anlage und hat zuletzt den Zugangsweg und die Aussichtsplattform gestaltet und erneuert.